Bee: Wie kam denn die Momo in den Busch?

Jaja, als Stadtkind ist der Weg ein bisschen weiter. Aber ich berichte gern von meinen ersten Erfahrungen im Sattel und dem Weg zum Vielseitigkeitssport.

Mini-Momo als junge Reiterin

Zuerst ein Ausflug in meine Jugend, ihr wisst schon, diese Zeit ohne Smartphone und Fahrradhelm... Ich bin nämlich Jahrgang 1984. Meine Hobbies waren malen, schwimmen und vermutlich essen. Es änderte sich alles mit ca. 7 Jahren. Da besuchte ich in den Sommerferien einen Ponyhof. Da hat sozusagen alles angefangen. ReitenReitenReiten (brüll!). Also wieder auf den Ponyhof mit dem Balg! Das Kind war happy und die Eltern hatten ebenso (Stille). Also Win-Win-Situation! .

Nach einer kurzen Findungsphase auf unterschiedlichen Ferienhöfen habe ich meinen Lieblingsplatz gefunden! Im Saarland auf Islandpferden ab ins Gelände. Kleine zottelige Tiere, super zuverlässig und bequem mit und ohne Sattel... das war wirklich immer ganz wunderbar. Schlafen in Stockbetten, andauernd dreckige Fingernägel, wissenschaftliche Expeditionen im Bach (und hinterher bekommt man die nassen Stiefel nicht mehr vom Fuß), Abstecher zu Huhn, Rind und Schaf und überall Ponys. Mit dem Reiten von heute hatte das noch nicht so viel zu tun... aber ich habe immerhin meinen Reiterpass gemacht.

Einige Jahre war das okay, aber für jemanden mit dem Pferdevirus muss etwas an den Lücken zwischen den Schulferien gemacht werden. Also suchte ich mir Reitmöglichkeiten, die ich das ganze Jahr nutzen konnte. Schulpferde und Reitvereine wurden gescannt. Sehr umständlich, das nervige Kind immer sonst wohin zu karren weil in Frankfurt die Reitschulen ja nicht gerade fußläufig zu erreichen sind – aber ich hab alles probiert: Ballett, Handball, Klavier spielen, Leichtathletik – alles doof! DoofDoofDoof! (brüll!)

Also tut eine Mutter was eine Mutter tun muss: Taxi spielen. Aber berauschend war das jetzt nicht. Hatte sie ja nichts zu treiben in der Zeit, die ich zum Striegeln und Reiten nutze. (Win-Nichtwin-Situation). Also klare Konsequenz: Sie erklärt mir, wie ich mit Bus und Bahn und Fahrrad in der Welt zurechtkomme! Natürlich stets mit ein paar Münzen für die Telefonzelle in der Tasche.

Als ich also unterwegs war und Reitschulen ausprobierte, war eine Erkenntnis schnell da: ich kann ja gar nicht reiten! War ich doch auf dem Ponyhof immer in der Fortgeschrittenen-Gruppe, war ich hier mehr Kandidat für Longenstunden! Ich kann einen weitgehend braven Isländer im Gelände bedienen – aber mein Sitz ist ebenso schlecht wie mein Verständnis der Gymnastizierung und Anatomie des Pferdes. Ich bleib auch bei einem Buckler sitzen, aber ich bekomme keinen taktklaren, runden Zirkel auf die Reihe. Meine schwierigste Aufgabe war bislang, den verfressenen „Grauni“ vom Fressen ab zu halten. Aber schon der Schwung eines gewöhnlichen Warmblüters würfelte mich im Sattel umher.

Ich hatte also schweren Nachholbedarf, inhalierte Berichte und Bücher, meldete mich für Reitabzeichen an und suchte nach einer Reitbeteiligung. Für das Reitabzeichen musste ich dann auch etwas gänzlich Neues ausprobieren: Springen! In der Dressur hatte ich es echt schwer, so viele schlechte Angewohnheiten – Stuhlsitz und langer Zügel – in einer Abteilungsreitstunde wird man zwar immer mal daran erinnert, aber so richtig gut vorwärts geht es natürlich nicht. Man kommt sich vor wie der „Affe auf dem Schleifstein“ und ich wäre schon das ein oder andere Mal lieber ausgeritten. Im Springen aber war ich ein unbeschriebenes Blatt. Ich konnte in den Springstunden lernen und somit hatte ich natürlich viel Spaß! Nicht besonders sattelfest aber auch nicht ängstlich, diese Kombination habe ich mir noch einige Jahre bewahrt. Auch wenn die heldenhaften Fotos aus meinem letzten Blog den Anschein machen, ich würde immer zurück in den Sattel finden – weit gefehlt. Ich kann meine Stürze schon nicht mehr zählen. Erst „neuerdings“ führe ich nicht länger auf der Airbag-Kartuschen-nachkaufen-Kundin-des-Monats Liste.

Jackomo kommt an

Kennt ihr die Situation, wenn man sich etwas betrachtet und überlegt: Hmmm, ob das gut geht, ob ich das schaffe? Ich bin diejenige, die immer sagt: Ich versuch‘s mal! ...das klappt halt nicht immer. Daher eben viele Punkte auf dem Stürze-Konto. Aber das ist für mich eher irrelevant, passiert ja in der Regel nix. Von Vielseitigkeit war hier aber noch keine Spur, ich hatte ehrlich gesagt keinen Schimmer von dieser Sparte. War ja gerade Springen neu und ziemlich cool!
Mit 18 dann der Durchbruch: Ich hab mir ein eigenes Pferd gekauft. Jackomo zog ein. Im Nachhinein seh ich jetzt ein: ich war immer noch sehr ahnungslos. Ich hatte keine Ahnung von den Kosten, der Verantwortung, der ganzen Nummer „eigenes Pferd“ – nur dachte ich halt damals, ich hab das alles 1a im Griff. Irgendwie hat es ja auch geklappt aber heute frage ich mich, wie ich das mit dem Azubi-Gehalt überhaupt stemmen konnte. Jackomo (minimalistisches Kaufkriterium: schwarz, groß, Springpferd) war verletzt als er kam, bissig und Ausbrecherkönig. Aber er war auch süß und lieb. Und er war meiner. Ich hatte mir auch nur dieses eine Pferd angeschaut. Beim Händler. AKU gab es nicht.

Er war das perfekte erste Pferd. Er zeigte mir, was ich noch lernen muss und belohnte mich wenn ich etwas richtig verstanden hatte. Ich lernte mich durch zu setzten und mich zu sorgen, ich lerne, was Geduld bedeutet und wie wertvoll es ist, wenn ein Pferd etwas tut – nur für Dich, aus Vertrauen.

Mit einem Stallwechsel kam eine ganz neue Sparte auf den Bildschirm: Jagd reiten. Ich hatte keine Ahnung, wo es sowas 2004 noch geben soll, dachte das wäre längst ausgestorben! Aber sowas gibt es. Zu meiner Erleichterung wird nicht wirklich etwas gejagt oder gar getötet! Dennoch ist es eine kleine Reise in vergangene Zeiten. Und Jackomo war das perfekte Pferd für diesen Spaß. Wir waren eine großartige Clique, wir ritten so viele Kilometer zusammen über Wiesen und durch Wälder. Die Hunde bellen, die Jagdhörner tönen, alle sehen total chic aus... Die Stimmung und das Flair, einfach einmalig.

Auf zur Jagd

Aber die Hauptsaison ist im Herbst. Im Sommer ist es auch viel zu warm in dem Outfit und der Staub klebt in jeder Falte – aber die Lösung war plötzlich ganz naheliegend! Feste Hindernisse und flotter Galopp – das geht auch ohne die Meute. Also startete ich 2005(?) meinen ersten Geländereiterwettbewerb mit Jackomo! JippieJippieJippie (brüll!) Zu dem allgemeinen Pferdevirus kam nun noch die Eventer-Sucht dazu! Unheilbar! Jackomo ist jetzt 23 und zum Glück immer noch bei mir. Ich bin ihm wirklich sehr dankbar, er hat einfach jede blöde Idee von mir mitgemacht ohne jemals langweilig zu sein! Danke „Herr Professor Jacko-Hubert!“ Wie die kleine Bee dann zu uns kam, hab ich ja bereits berichtet!



Frecher Jackomo
 

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