Cowboy Frank: Das hat gesessen!

Lena will doch nur reiten lernen - und sieht sich im Westernsattel plötzlich mit viel Größerem konfrontiert. Doch dann folgt dank Cowboy Frank eine echte Erleuchtung!

von Lena

Eskalation im WesternsattelEskalation im Westernsattel! Foto: Pixabay

Die Reitstunde drohte zu eskalieren. Meine Konzentration war am Nullpunkt angelangt, der perfekt ausgebildete aber selbstbewusste Araberwallach Ramin machte, was er wollte. Ich wurde wie ein plumper Sandsack beim Traben aus dem Sattel geworfen, meine Arme schmerzten und meine Beine erst recht. Atmen? Ganz vergessen, wie das geht.

Ich wollte am liebsten von Ramin absteigen, Frank die verfluchte 10er-Karte vor die Füße werfen und mich vom Acker machen. Ich wusste nicht, was ich falsch machte, es klappte einfach nichts. Gar nichts. In meinem Kopf war nur noch Chaos, Franks ständige Kritik ging mir auf die Nerven und der Ton erst recht.

Doch dann stieg der Cowboy auf sein Pferd, zeigte mir seelenruhig, was er von mir sehen will – und sagte mir noch einmal sehr deutlich, dass das so nichts wird. Dass es nichts wird, wenn ich nicht klar kommuniziere, mich nicht konzentriere, mich nicht durchsetze, meine Körperhaltung nicht überzeugender und fester wird, wenn ich keine Grenzen setze – und wenn ich mich weiter verweigere, seine Kritik anzunehmen. Dann müssten wir eben aufhören.

Dass ich nicht anfing zu heulen, wundert mich noch heute. Denn eigentlich hatte Frank mir genau gesagt, was ich an mir am meisten verabscheue und womit ich am meisten zu kämpfen habe – und was mich im Leben oft bremst und in Situationen bringt, die mich frustrieren. Frank hatte mir klipp und klar einen Spiegel vors Gesicht gehalten. Das kam so unerwartet, dass es mich erst einmal völlig aus der Bahn warf. Immerhin wollte ich „nur“ reiten lernen und nicht mit meinen Schwächen konfrontiert werden.

Doch darauf muss man sich als Reitanfänger oder Wiedereinsteiger einlassen: Der Anfang tut weh und es können sogar tief liegende persönliche Probleme durch den Umgang mit dem Pferd ans Tageslicht kommen. Aber man kann sie zusammen mit einem guten Lehrpferd und einem guten Reitlehrer genauso gut besiegen, über sich hinauswachsen und sich endlich die Träume erfüllen, die man schon lange hegt. Denn wenn man dranbleibt und nicht das Handtuch wirft, hat man viel mehr geschafft, als hoffentlich eines Tages einen passablen Reiter abzugeben: Man hat seinem inneren Schweinehund Paroli geboten, ist nicht eingeknickt und hat das Gefühl, ab sofort alles schaffen zu können.

Als ich an jenem Tag völlig ausgebrannt von Franks Ranch fuhr und eine Runde mit meinem Hund um den See lief, um Dampf abzulassen und wieder klar denken zu können, wurde mir klar: Nicht nur der schöne Wallach Ramin weiß mit meinen schwammigen Ansagen nichts anzufangen – auch im Umgang mit Menschen muss ich endlich damit anfangen, klare Kante zu zeigen, zu meinen Positionen zu stehen und diese souverän vertreten, innere Ruhe erlangen und bei der Sache sein – und auch mal Kritik annehmen, statt sie wie ein bockiges Kind abzuwehren. Auch, dass man für seinen Traum kämpfen muss. Frank und Ramin haben mir an jenem Tag die Augen geöffnet. Und das war verdammt hart – und verdammt gut.

Diese vierte Reitstunde bei meinem Cowboy werde ich wohl nie vergessen. Denn so viel gelernt habe ich wohl noch nie in 60 Minuten. Und siehe da: Beim nächsten Versuch hat (fast) alles geklappt wie am Schnürchen und sogar mein Cowboy saß zufrieden am Rand und konnte sich ein kleines Grinsen nur mit Mühe verkneifen. „Jetzt sind wir auf dem richtigen Weg, Lena“, gab er mir noch mit. Zum Glück kam in diesem Moment der Hufschmied in seiner Harley-Davidson-Kutte auf den Hof gefahren, sonst wäre ich Frank vor lauter Freude womöglich noch heulend und quiekend um den Hals gefallen.

Du willst mehr von Lena und Cowboy Frank lesen? Hier findest du alle bisher veröffentlichten Beiträge von ihr!