Das zweite Jahr mit Bee

Der Sommer verlief eigentlich identisch zum ersten Jahr. Hinfahren, zugucken wie Bee auf der Koppel steht und frisst. Die ersten Gedanken zum mangelnden Wachstum kommen auf. Aber wenn man beim Zigeunermaß ein bisschen schummelt, kommen doch 165 bei raus... Offen gestanden, sie hat ausgesehen wie ein verfilzter Koppelgauner, dicker Biergrasbauch und lauter Knoten in den ungewaschenen Haaren. Da hab ich als Mutter voll versagt. Wurde Zeit, dass hier ein bisschen Ordnung einkehrte!

Also kam Bee im Winter aufs Vollpensions-Internat, eine neue Koppel-WG.

So ein Umzug bringt ein bisschen Aufregung mit sich... Wird sie auf den Hänger gehen oder sich von ihrer Herde nur schwer trennen lassen? Wird sie Ruhe bewahren in der neuen Umgebung, oder nervös werden? Wie werden die anderen Pferde reagieren? Kann sie sich in der neuen Herde behaupten oder kommt die Kleine immer als letzte ans Heu? Hoffentlich gerät sie nicht auf die schiefe Bahn!!!

Völlig unbegründet - Koppel auf, Halfter an, Schecke raus, Koppel zu. Als wäre es das Normalste der Welt. Die Zurückgebliebenen schauten etwas irritiert drein, aber die kleine Bee folgte mir brav zum Anhänger. Diesen inspizierte sie kurz, das Futterangebot, das da drin auf sie wartete, überzeugte dann und sie stampfte vertrauensvoll hinein! Da hat Mutti in der Erziehung doch nicht voll versagt! Ok, vermutlich kommt das noch von der Züchterin (danke an dieser Stelle, Andrea!), aber ein bisschen Einbildung stärkt ja auch das Selbstbewusstsein für die kommenden Aufgaben!

Denn... ich bin ja neu in der Jungpferdetruppe. Insgesamt wohl etwas ahnungslos, aber dafür mit einem ausgetüftelten Plan, den ich hier gerne vorstellen möchte:

Meine Pläne (und Ängste) für diesen Winter:

- Neuen Stall zeigen, dort anbinden üben, über den Hof führen.

Das junge Pferd lässt sich nicht führen & anbinden, rennt frei umher und die anderen Reiter und Pferde werden aufgescheucht, es gibt Verletzte.

- Einfache Kommandos festigen (Gas & Bremse) mit Longe longieren.

Das junge Pferd lässt sich nicht longieren, rennt frei umher und die anderen Reiter und Pferde werden aufgescheucht, es gibt Verletzte.

-Longiergurt mit Schabracke anziehen

Das junge Pferd ... ihr ahnt es schon...

- Damit Longieren.

s.o.

- Über Stangen & Cavalettis laufen lassen

Das junge Pferd bricht sich die Knochen oder verweigert die Mitarbeit komplett.

- Viele nette Leute im Stall kennenlernen

Die anderen Einsteller vermeiden Begegnungen und Blickkontakt wegen meines durchgedrehten Jungpferds (und den damit verbundenen vielen Gefahrensituationen...)

 Soweit mein total ausgetüftelter Plan!

 Angekommen auf dem neuen Hof war es ähnlich unspektakulär wie beim Aufladen. Hänger auf, Schecke raus - auf die Koppel, fertig.

Bee trifft auch zum ersten Mal auf meinen Senior Jackomo. Das war wirklich ein besonderer Moment für mich. Für Bee & Jackomo allerdings nicht. Kurz verliebt geschaut (ich hab schnell ein Foto gemacht) dann aber mehr so Romantik-Killer... die beiden haben sich direkt blöd angequietscht und sich dann Nullkommanull füreinander interessiert.

In den kommenden Wochen startete ich also mit meinem ausgeklügelten Plan. Zuerst noch schnell alle gängigen Versicherungen geprüft und dann hinein in das Abenteuer Jungpferd!

Man könnte mich im Nachhinein als hysterisch abstempeln. Kannst du es dir vorstellen: Bee ist kein einziges mal abgehauen bei der Ausführung meines Trainingsplans! Es gab in der ganzen Zeit keine Verletzten. Die anderen Einsteller sind nicht zur Seite gehechtet, wenn wir kamen, und ich hatte auch keine Drohbriefe an meiner Windschutzscheibe!

Bee hat spielerisch gelernt an der Longe um mich herum zu laufen, einen Sattel und eine Trense zu tragen und ich habe sie auf das Aufsitzen vorbereitet, indem ich mich hin und wieder bäuchlings über ihren Rücken gelegt habe.

Eine richtige Herausforderung war allerdings der Gurt. Das fand Bee nicht lustig und meine oben genannten Ängste waren zwischenzeitlich nicht so absurd. Einmal ist sie an der Longe so in die Luft gesprungen und hat sich dabei gedreht und gegrunzt – ich dachte, die hört nie mehr auf. Aber sie hat natürlich aufgehört.

Weil Jackomo jetzt Fahrlehrer spielen durfte, begann ich sie als Handpferd mit ins Gelände zu nehmen. Behutsam führte ich Bee an die ersten Stangen heran. In diesem Winter ging sie das erste Mal beim Freispringen mit. Ich sah mein Pferd das erste Mal springen und war einfach sprachlos und beeindruckt. Sie hat definitiv meine Erwartungen übertroffen! 

Dann war es plötzlich ein Vorteil, dass die Kleine eben nicht besonders groß ist (mit 3 Jahren ca. 155 cm).

Denn das erste Aufsteigen haben wir im Frühjahr schon abgearbeitet, obwohl es ja gar nicht auf dem Plan stand. Aber als Jungpferde-Newbie dachte ich, ich nutze ihre Unerschrockenheit mal aus.

Jackomo als großer Bruder zur Sicherheit in der Nähe und jemand der Bee führt. Ich sitze auf und mein kleines Pferd ist ganz entspannt. Weil es im Schritt so gut klappt, traben wir auch gleich ein Stück. Es klappt einfach perfekt und nach 5 Minuten ist der Zauber auch schon vorbei. Zur Festigung habe ich das dann noch 1x wiederholt. Wow, das war Wahnsinn! Ein überwältigendes Gefühl.

Aber jetzt kam der Frühling und die schwierigste Zeit: Zurück zum Nichts-tun!

Wie ich das überbrückt habe, erzähle ich dir gerne im nächsten Blog!

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Du willst die ganze Geschichte von Momo und Was A Bee erfahren?

Teil 1: Wie eine Biene in den Busch kommt

Teil 2: Das erste Jahr mit Bee

Teil 4: Romantik mit Jungpferd

Teil 5: Pferd, Mensch und Reiter

Teil 6: Galopprennen & Schrittspaziergang