Faszien – Training und Hilfe für dein Pferd

Dein Pferd leidet unter Verspannungen oder Einschränkungen des Bewegungsapparates? Dann wirst du bei der Suche nach Abhilfe für deinen Vierbeiner früher oder später auch auf das Thema Faszien stoßen. Doch was sind Faszien überhaupt und welche Arten des Faszientrainings eigenen sich für das Pferd? Wir geben einen Überblick.

Faszien sind seit einigen Jahren in aller Munde. Fitnessstudios bieten Faszientraining an, im Sportfachhandel erfreuen sich Faszienrollen großer Beliebtheit. Schnell zeigte sich: Was dem Menschen hilft, ist in diesem Fall auch gut für das Tier. Und während zunächst noch mit kritischem Blick geschaut wurde, ob mit dem Thema Faszien nicht nur eine weitere Sau durch das Dorf der kurzlebigen Trends getrieben wird, ist mittlerweile klar, dass Faszien einen großen Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden haben – auch beim Pferd.

Pferd in Bewegung

Faszien kurz erklärt

Faszien sind beileibe keine neuartige Erfindung, sondern seit jeher Bestandteil des Körpers von Mensch und Tier. Diese Komponente des Bindegewebes durchzieht den kompletten Körper und umhüllt die Organe, Muskeln und Sehnen. Das sehr komplexe Flechtwerk spielt eine Schlüsselrolle für die Gesundheit und Beweglichkeit unseres Organismus.

Faszien geben dem Körper die Form, aber sie können weitaus mehr. Sie sorgen dafür, dass die Muskeln zusammenwirken können und eine Kraftübertragung erst möglich wird. Sie sind von zahlreichen (Schmerz-)Rezeptoren durchzogen. Das erklärt auch, warum Verklebungen und Verspannungen von faszialen Strukturen so schmerzhaft sind. Denn so faszinierend die Tatsache, dass Faszien den kompletten Pferdekörper durchziehen, so problematisch ist dies, wenn es zu Problemen mit eben jenen kommt. So sind häufig Ursache und Wirkungsort nicht identisch.

Bewegung spielt eine wesentliche Rolle für den Zustand der Faszien. Zu viel, zu wenig oder falsche Bewegung kann die Flüssigkeit, die als Schmiermittel zwischen Muskulatur und Faszien wirkt, in der Weise verändern, dass diese miteinander verkleben und die Dehn- wie auch die Kontraktionsfähigkeit der Muskelketten stark eingeschränkt wird. Ist eine Faszie an einer Stelle verfilzt, verklebt oder verletzt, löst dies eine Kettenreaktion aus. Lymphflüssigkeit wird durch Verspannung und die damit verbundene Verklebung nicht mehr ausreichend vorwärtsbewegt, durch den Lymphstau reichert sich in den Faszien der körpereigene Klebstoff Fibrin an. Hält dieser Zustand an, birgt dies eine große Gefahr für die Organe: Durch die dauerhafte Starre der Bindegewebshüllen wird die Blutzufuhr sowie die Aufnahme von Nährstoffen und Sauerstoff gedrosselt. Auf Dauer geht die Funktion der betroffenen Organe immer mehr verloren.

Faszientraining für dein Pferd – dafür ist es gut

Den Blick auch auf die Faszien zu richten ist dann sinnvoll, wenn dein Pferd unter Schmerzen leidet, die auf Verspannungen und Einschränkungen des Bewegungsapparates zurückzuführen sind. Stellst du also fest, dass dein Pferd unnatürliche oder ausweichende Haltungen einnimmt, sich widersetzt oder generell einen Abfall der Leistungsfähigkeit zeigt, lohnt es sich, auch die Faszien unter die Lupe zu nehmen. Oftmals leiden die Tiere auch stumm und es dauert, bis Ursache und Lösung gefunden werden können.

Pferd in Bewegung

Faszien beim Pferd trainieren

Um vorbeugend zu handeln, ist es wichtig, dass dein Pferd ausreichend bewegt wird. Hier ist eine Überlastung zu vermeiden und vor allem auf eine Variation der Bewegungsmuster zu achten. Was heißt das konkret? Oft wird das tatsächliche Bewegungsverhalten des Pferdes falsch eingeschätzt. So kann ein Pferd auch bei täglichem Weidegang hauptsächlich mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sein und sich dabei nur geringfügig bewegen. Und auch bei täglich bewegten Pferden gilt es, für ein hohes Maß an Variation zu sorgen – in den Übungen genauso wie bspw. mit Blick auf den Untergrund. Unter Berücksichtigung des Trainingsstandes kannst du also dein Pferd auch regelmäßig springen lassen, wenn ihr normalerweise hauptsächlich im Gelände eure Runden dreht. So werden die Faszien auf ganz unterschiedliche Art und Weise in Anspruch genommen. Wichtig ist es, abrupte und scharfe Bewegungen zu vermeiden.

Doch Vorbeugung reicht bei vielen Pferden nicht mehr aus und es gilt, bereits verklebte Faszien zu lösen und die myofaszialen Funktionsketten wieder in Funktion zu bringen.

Faszientraining nach Grünbeck – Kilometer für Kilometer auf Tour für das Pferdewohl

Der Österreicher Franz Grünbeck hat eine Vision: Pferde sollen gesund und leistungsfähig bis ins hohe Alter ihren vielfältigen Aufgaben nachkommen können. Mensch und Pferd sollen wieder in ihrem Tun zueinanderfinden, die Bedürfnisse der Pferde sollen vom Menschen besser verstanden werden. Die Situation vieler Pferde schmerzt ihn sehr. Grünbeck nimmt für seine Vision einige Strapazen und Entbehrungen in Kauf. Tag um Tag fährt er Kilometer um Kilometer mit seinem Wohnmobil kreuz und quer durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Von der Nordsee nach Bayern, von einem Pferdebetrieb zum nächsten. Wochenlang weg von Zuhause, verbringt er so mehr als 30 Wochen im Jahr auf Achse.

Grünbeck hat ein umfangreiches Faszientraining entwickelt. Bei diesem Trainingskonzept und dem HORSE bodyforming handelt es sich um Bodenarbeitstechniken, die über Jahre hinweg verfeinert wurden, um statisch wie auch in Bewegung oberflächliche wie tiefe Faszienschichten und die Stabilisationsmuskulatur zu erreichen. Hierbei kommen verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz.

Faszienrad

In einem ersten Schritt werden beim Faszientraining mithilfe eines sogenannten Faszienrads  Verspannungen am stehenden Pferd aufgelöst. Dabei wird das Prinzip der antagonistischen Hemmung genutzt, um die betroffenen Strukturen zu entspannen.

Festigung des neuen Bewegungsbildes

In weiterer Folge lernt das Pferd in der Bewegung durch HORSE bodyforming, das neue Bewegungsbild zu festigen. Hierbei werden der HORSE Bodyformer und das Mobility Bridle genutzt. Durch die Anwendung können die myofaszialen Ketten wieder störungsfrei arbeiten und Bewegungsstörungen verschwinden. Nicht zuletzt finden durch diese Arbeit Pferde in eine Ruhe, werden mental ausgeglichen und Schreckhaftigkeiten verschwinden.

Beim HORSE Bodyformer handelt es sich um eine Platte, die an einem Gurt ähnlich einem Longiergurt befestigt wird und die unter dem Bauch frei schwebt (siehe Abbildung). Die an der Oberseite der Platte angebrachten Massagenoppen wirken rhythmisch auf den Pferdrumpf ein, während das Pferd auf bestimmten Laufwegen bewegt wird.

Bodyformer

Abhängig von der Qualität der Pferdebewegung werden die Impulse der Platte auf die Bauchfaszie übertragen. Für die Pferde ist dies ein selbstlernendes System, da sie durch die Impulse unmittelbar Rückmeldungen auf die Bewegungsqualität erhalten. So finden die Pferde rasch aus kompensatorischen Bewegungsmustern. Die myofaszialen Funktionsketten arbeiten wieder harmonischer und auch die passiven Tragestrukturen können ihrer Aufgabe wieder nachkommen.

Erkennbar ist dies z.B. dadurch, dass dein Pferd ab der ersten Trainingseinheit einen geschmeidigen, gelenkschonenden Gang entwickelt. Rückstellkräfte können besser gebildet werden und das Pferd fußt hörbar leiser in allen Gangarten. Selbst die Atmung entspannt sich, sie wird ruhiger und tiefer.

Das Mobilty Bridle ist eine Zäumung, welche den Unterkiefer löst, nicht einengt! Das Bridle liegt lose - in der Hauptsache durch ein stabiles Backenstück gehalten - am Pferdekopf und wirkt motivierend über den Unterkiefer. Schon ab der ersten Einheit danken die Pferde mit einer vermehrten Kautätigkeit. Der Umlaufbügel sorgt für eine korrekte Stellung des Pferdekopfes, einem "Verkanten" bzw. "Verwerfen" im Genick wird hier effektiv entgegengewirkt.

Die lösende und aktivierende Wirkung des Bridles setzt sich vom Unterhals über den Schultergürtel fort und veranlasst das Pferd, sich im Widerrist zu heben.

Nach mehrwöchiger Anwendung wird die Rumpfstabilität zunehmend verbessert, und die Tragfähigkeit kann wiederhergestellt werden. Sehr oft lösen sich auch langjährige Bewegungsstörungen durch dieses Training auf.

bodyforming

Gesundheitsförderndes Faszientraining für das Pferd

Wie bei allen Gesundheitsthemen rund um das Pferd, so gilt es, auch beim Training der Faszien individuell auf das Tier einzugehen und auf Zeichen des Unbehagens zu achten. Änderungen und Anpassungen des täglichen Trainings sollten immer auf den Trainingsstand des Pferdes abgestimmt werden, um Überlastungen zu vermeiden. Bei Beschwerden des Vierbeiners ist es wichtig, andere Ursachen auszuschließen. Darüber hinaus gilt es, sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen. So ist beispielsweise eine sorgfältige Einschulung durch zertifizierte Trainer und Partner Voraussetzung dafür, dass der HORSE Bodyformer gemietet oder erworben werden kann.

Du möchtest mehr über die Grünbeck Trainingsmethode für Faszien und das HORSE bodyforming erfahren?

Hier findest du alle wichtigen Informationen!