Gesund Reiten

Fehler werden meist aus Unwissenheit gemacht
 
Reitpferde leisten körperliche Arbeit, für die sie von der Natur nicht geschaffen wurden. Ein Pferd in Freiheit ist fast ständig in Bewegung, Tag und Nacht, im Sommer und im Winter. Gemächlich äsend legen Wildpferde bei ihren Streifzügen durch die Grassteppe zwischen 40 und 60 Kilometer pro Tag zurück – in Dürrezeiten sogar bis zu 100 Kilometern. Ihre Fähigkeit schnell laufen zu können, dient den Wildpferden ausschließlich für kurze Strecken, um sich vor natürlichen Feinden in Sicherheit bringen zu können. Dabei können durchaus Geschwindigkeiten bis zu 60 km/h erreicht werden. Gerade diese Eigenschaften des Pferdes – nämlich sowohl lange ausdauernd als auch schnell laufen zu können – machen wir Menschen uns seit Tausenden von Jahren zunutze. Doch braucht der Körper des Pferdes ein „Aufbautraining“, um den damit verbundenen Belastungen auf Dauer Stand zu halten, denn das Tragen von Lasten und das Laufen auf kleinen gebogenen Linien (wie heute in vielen Reitsportdisziplinen gefordert) kam im Bauplan Pferd der Natur nicht vor. Zu Zeiten unserer Groß- und Urgroßväter waren Pferde noch Arbeitstiere. Ihre körperliche Fitness und Leistungsfähigkeit war „das Kapital“, das die Menschen nutzten. Oft waren diese Pferde 10 und mehr Stunden pro Tag im Einsatz, zogen Wagen, Ackergeräte, wurden nach Feierabend oder am Sonntag auch mal geritten – vielleicht sogar bei ländlichen Turnieren vorgestellt, dienten beim Militär als Pack-, Wagen- und /oder Reittiere. Meist wurden sie vielseitig eingesetzt, wobei Schritt meist die Hauptgangart war. Und: Sie wuchsen langsam in ihre Aufgaben hinein. Arbeitsstuten hatten oft nur um den Geburtstermin ihrer Fohlen wenige Tage Auszeit. Dann mussten sie wieder ins Geschirr. Ihre Fohlen liefen nebenher und wurden so automatisch fit. Militärpferde unterlagen einer strengen Auslese (Remontierung – daher auch der Name für die jungen Pferde) und durchliefen eine sorgfältige langjährige Ausbildung, denn ihre Leistungsfähigkeit war die „Lebensversicherung“ der Soldaten. Der Wandel zum Freizeitpartner verändert das Leben der Pferde Heute sind unsere Pferde Freizeitpartner oder aber hoch spezialisierte „Sportler“. Während bei der „Spezies“ Freizeitpferd das Erfüllen des natürlichen Bewegungsbedürfnisses fast überall zu kurz kommt, haben viele Sportpferde in ihrer Jugend zu wenig Bewegung und werden dann oft zu früh zu stark belastet. Hinzu kommt, dass das von Generation zu Generation weitergegebene Wissen rund um die Bedürfnisse des Pferdes“ (das was man so gerne „Pferdeverstand“ nennt) in den Nachkriegsgenerationen des letzten Jahrhunderts durch die zunehmende Motorisierung abhanden gekommen ist. Die Menschen, die heute Reiten als Freizeitbetätigung wählen, müssen sich das Wissen, das ihre Urgroßväter noch hatten, erst wieder mühsam erarbeiten. Ein nicht unwesentlicher Faktor ist zudem die Zeit, die heute meist knapp ist – auch in der Freizeit. Pferdeausbildung braucht jedoch Zeit (und viel Geduld). Pferde sind eben keine Maschinen, funktionieren nicht auf Knopfdruck, lassen sich nicht programmieren. Muskeln und Kondition wachsen nicht über Nacht. Als Reiter haben wir die Verpflichtung, den Körper des Pferdes stark genug zu machen dafür, uns zu tragen. Wir müssen seinen Körper formen und ihm dabei Zeit geben, sich zu entwickeln. Diese Entwicklungszeit wurde früher „Remontezeit“ genannt. Sie dauerte zwei Jahre. In dieser Zeit wurde größter Wert auf eine zwanglose Körperhaltung gelegt. Es wurde ausschließlich in der so genannten „Dehnungshaltung“ – also vorwärts-abwärts geritten und vorwiegend geradeaus im Gelände. Heute nimmt sich kaum noch jemand so viel Zeit. Die Zahl schlecht ausgebildeter Pferde (und Reiter) nimmt leider zu. Unphysiologisches Training (zu geringe Aufwärm- und Abkühlzeiten, zu starke psychische und physische Spannung, zu wenig Pausen, Zwang zu immer gleicher Körperhaltung etc.)  sowie einseitige Nutzung überlasten bestimmte Körperregionen. Die Pferde nehmen Schonhaltungen ein, verspannen sich und nehmen oft deshalb auf Dauer Schaden. Sie „verschleißen“ frühzeitig. Traurige Gewissheit: Über 80 Prozent aller Lahmheiten und Bewegungsstörungen unserer Reitpferde haben ihre Ursache in falschem Reiten und nicht angepasstem Training (Zitat Dr. Gerd Heuschmann, Tierarzt und Buchautor). Fehler werden meist aus Unwissenheit gemacht Die meisten Reiter schaden ihrem Pferd sicher nicht mit Absicht. Viele wissen einfach nicht genug. Ein Mindestmaß an Können und Wissen ist jedoch absolute Grundvoraussetzung für die Ausbildung eines Pferdes. Aber auch ein gut ausgebildetes Pferd braucht regelmäßige Grundgymnastik. Der Erhalt der Dehnungsfähigkeit und das Geraderichten sind lebenslange Prozesse. Einen Anfänger bzw. schlechten Reiter zu tragen, kann kein Pferd auf Dauer ohne „Ausgleichssport“ leisten. Da geht es ihnen ähnlich wie uns Menschen, wenn wir unseren Körper bei der Arbeit unphysiologisch belasten. Gesund bleibt nur, wer in der Balance bleibt – physisch wie psychisch. 
Gutes Reiten und Training sind täglich praktizierte Gesundheitsvorsorge Gutes Reiten hat viele Maßstäbe: die schnellste Zeit beim Rennen, den fehlerfreien Parcours, die höchste Wertnote, die schwierigste Dressur, die beste Show? Eigentlich jedoch hat es nur einen Maßstab - die Gesundheit des Pferdes. So und nicht anders wurde das Reiten (im Unterschied zum „Sich tragen lassen“) ursprünglich definiert: „Ein Pferd soll durch das Reiten seine natürlichen Anlagen vervollkommnen, an Eleganz und Kraft gewinnen und diese bis ins hohe Alter erhalten.“ - So ist es in den Reitlehren vergangener Zeiten zu lesen. Heute zeigt sich leider oft genug ein anderes Bild. Nie wurden durch schlechtes Reiten und falsches Training so viele Pferde ruiniert wie heute. Diese Erkenntnis wird von vielen Tierärzten bestätigt. Niemand möchte seinem Pferd durch das Reiten schaden. Dennoch sind unangepasste Trainingsmethoden, punktuelle Überforderung, aber auch latente Unterforderung sowie unangepasste Ausrüstung (hier insbesondere der Sattel), schlecht sitzende und fehlerhaft einwirkende Reiter die Hauptursachen für Rückenprobleme und Lahmheiten bis hin zur dauerhaften Unbrauchbarkeit von Reitpferden. Karin Kattwinkel, Leiterin des niedersächsischen Pferdegesundheitszentrums Equo Vadis, leistet mit ihren Fachvorträgen und praktischen Demonstrationen hier wertvolle Aufklärungsarbeit. So zeigt sie anhand eines „Lebenden Pferdeskeletts“ auf Pferdefachmessen, Seminaren (z.B. auch in der Reihe „Reiterforum“ von Landrover Deutschland) biomechanische und anatomische Zusammenhänge auf, die kaum ein Reiter kennt, erklärt warum insbesondere das Geraderichten und Versammeln Pferde gesund hält und vor allem, wie das geht. Die brisante Thematik in aller Ausführlichkeit ist Inhalt ihres im Olms-Verlag in Kürze erscheinenden Buches „Gutes Reiten hält mein Pferd gesund“. Wer bis Ende März 2009 die Gelegenheit zur Vorab-Bestellung nutzt, kann wertvolle Preis gewinnen! Pferdegesundheitstrainer – ein neues Berufsbild mit Zukunft Unabhängig von der pferdesportlichen Disziplin wird dem Aspekt der Gesundheitsprophylaxe durch entsprechend aufgebautes Training zu wenig Beachtung beigemessen. Während in allen anderen Sportarten umfassendes Wissen über Konditionsaufbau, Krafttraining, Leistungssteigerung und begleitende Maßnahmen wie Physiotherapie und gezielte Gymnastik, Massagen etc. selbstverständlich sind, ist der Pferdesport in dieser Hinsicht ein Stiefkind. Nur wenige Trainer besitzen umfassende Kenntnisse der Biomechanik und Leistungsphysiologie, von ganzheitlichen Zusammenhängen bis hin zum Hufbeschlag oder notwendigen Zahnkorrekturen ganz zu schweigen. Diese Lücke schließt ein neues Berufsbild. Aufbauend auf eine bestehende Trainerlizenz oder eine ganzheitlich angelegte Basisausbildung bietet das Pferdegesundheitszentrum Equo Vadis im niedersächsischen Walsrode eine Fortbildung zum Pferdegesundheitstrainer an. Der Pferdegesundheitstrainer lernt in einer als Blockunterricht aufgebauten Ausbildung, ganzheitliche Zusammenhänge zu erkennen und zur Richtschnur in der täglichen Arbeit mit dem Pferd werden zu lassen. Fundierte Kenntnisse der Biomechanik und funktionellen Anatomie versetzen ihn in die Lage, jedes Pferd seinen Stärken und Schwächen entsprechend aufzubauen und zu fördern, aber auch zu erkennen, welche Trainings-/Reiterfehler welche gesundheitliche Störungen beim Pferd verursachen können und wie diese durch gezielte Übungen zu vermeiden sind. Der Umgang mit Longe, Hilfszügeln, Doppellonge und Langem Zügel wird ebenso erarbeitet wie das Training an der Hand und der gezielte Einsatz spezieller Lektionen.

Die Verbesserung von Gangbild, Kondition und Leistungsfähigkeit gehört ebenso zu den Aufgaben des Pferdegesundheitstrainers wie die „Krankengymnastik“ des Pferdes nach erfolgter manueller Behandlung. Die Anleitung Pferdebesitzers im richtigen Handling und Training seines Pferdes nimmt einen breiten Raum während der Ausbildung ein. Mehr Infos auf www.equo-vadis.de -----------------------------------------------------
Tipp:
18. April 2009 – Kostenfreier Schnuppertag
---------------------------------------------------------------,Vorträge und praktische Demonstrationen während der Equitana mit Karin Kattwinkel, Pferdegesundheitszentrum Equo Vadis, Walsrode Halle 01 – Ring
Jeden Tag:
11:00 bis 11:30 Uhr – Praktische Vorführung „Gutes Reiten hält mein Pferd gesund – Demonstration mit dem „lebenden“ Skelett“ Halle 02 - St.-Georg-Ring
Jeden Tag:
16:00 bis 16:30 Uhr – Vortrag „Gutes Reiten hält mein Pferd gesund – Biomechanik, funktionelle Anatomie und Grundlagen der Physiologie für Reiter“ Halle 01 – Forum
Jeden Tag:
18:00 bis 18:30 Uhr – Vortrag „Gutes Reiten hält mein Pferd gesund – Biomechanik, funktionelle Anatomie und Grundlagen der Physiologie für Reiter“

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