Halali Halali

Der Herbst ist reitehrlich gesehen die Hochsaison für Jagdreiter. Ich bin früher viel auf diese kostümierten Ausritte gefahren. Jackomo war ein grandioses Pferd für diese Veranstaltungen. Daran denke ich sehr gerne zurück.

Im Grunde genommen bin ich durch das Reiten im Jagdfeld zur Vielseitigkeit gekommen. Als ich mir das Pferd gekauft habe, wusste ich nichts von den aktiven Hundemeuten und der Gesellschaft, die im roten Rock über die Felder galoppiert. Nachdem ich über damalige Einsteller von dieser Reiterei erfuhr, war ich Feuer und Flamme. Galoppieren, Springen, in der Gruppe reiten. Für mich damals schon sehr attraktiv, in der Reithalle die Kringel drehen war noch nie so mein Ding.

Auf geht's zur Jagd

Also los, auf zur Jagd. Natürlich wird in Deutschland kein Fuchs oder sonstiges Tier tatsächlich gejagt. Es gibt bei einer Schleppjagd einen Schleppenleger. Dieser hat einen Kanister mit einem stinkenden Inhalt am Sattel und legt eine ebenso stinkende Spur. Die Hunde, gerne Beagle oder Foxhounds, werden dann von der Equipage, den Hundeführern, auf diese Fährte geschickt. Sofort beginnt ein unverwechselbares Bellen und Jaulen, wenn die Tiere der Spur folgen.

Die Reiter beobachten für einen kurzen Moment die Arbeit der Hunde, genießen das Geläut und dann „gute Jagd“ geht es auch für die Pferde los. Im frischen Galopp hinter den Hunden her.

Es ist ein ganz besonderes Bild, wenn die Herren mit ihren roten Röcken im nebelverhangenen Herbst ein Tal entlang galoppieren. Ein bisschen wie eine Zeitreise. Jackomo war stets gut zu handeln - solange er korrekt gezäumt wurde. Nach einigen Ritten im Feld habe ich den zuverlässigen Kerl an eine sehr gute Freundin verliehen, die viel mehr Jagderfahrung hatte als ich.

Bevor es los geht mit der Schleppe und den Hunden, ist das sogenannte Stelldichein. Die Reiter werden begrüßt, ein Sektchen zum Anstoßen und rauf auf die Pferde, im Schritt aufwärmen. Jackomos Gebiss der Wahl war ein Pelham, ein Zügel im unteren Ring und eine Kette unter dem Kinn. Im Schritt hat er einen mords Kragen gemacht und bei der kleinsten Zügelhilfe rollte er sich ein oder schnickte. Meine Freundin meinte, das Gebiss sei viel zu scharf für das sensible Pferd. Ich versicherte ihr, es ist genau richtig so wie es ist. Aber sie wollte nicht hören und so schnallte ich auf ihren Wunsch die Zügel in den oberen Ring und Jackomo war ganz entspannt.

Dann, nach einer kurzen Begrüßung an die Reiter und dem Vorstellen der Equipage, die erste Schleppe.
Ich habe auf einem der Wagen gesessen, die Jagdausflüge wurden stets mit Traktoren und Anhängern oder vielen Kutschen begleitet. Als Zuschauer macht man ein stundenlanges Picknick und erfreut sich an den Reitern, die so malerisch an einem vorbei galoppieren. Jackomo preschte los und hinterließ eine hilflos am Zügel hängende Reiterin. Aus dem zu scharfen Pelham war ein nutzloses Pelham entstanden. Er rannte freudig an allen vorbei, was in Jagdreiterkreisen mehr als nur peinlich ist. Erst ein Zaun brachte die 2 zum Halten. Absteigen und Zügel wieder in den unteren Ring schnallen, soweit so gut. Aber wie kommt man wieder hoch auf das 175 cm große Tier?

Sanitäter! Helfer in der Not. Ein RTW begleitet das Jagdfeld und eilt auch mal herbei um einen Reiter wieder in den Sattel zu werfen! Ich habe die ganze Szenerie von meinem schönen Zuschauerplatz aus beobachtet und mich natürlich köstlich amüsiert.

Bei den vielen Ritten die ich gemeinsam mit Jackomo bestritt, war ich nie allein. Eine wunderbare herzliche Clique traf sich zu den Terminen und es gab stets viel zu lachen - wie ein XXL Ausritt mit einer sehr coolen Wendy-Gang!

Auch im Regen kein Problem

Wenn es nach mir gegangen wäre, würde ich das ganze Jahr hinter den Hunden reiten. Aber die Tradition gehört eben in den Herbst, im Sommer ist es zu heiß und im Frühjahr sind viele Felder und Strecken nicht bereitbar.

So kam ich zur Vielseitigkeit. Ist ja ein bisschen wie Jagdreiten - nur eben alleine. Aber auch hier kann man durch das Gelände galoppieren und Naturhindernisse springen!

Über die Jahre entwickelte ich für den Vielseitigkeitssport die noch größere Leidenschaft. Nach und nach wurden weniger Jagden veranstaltet, die Gruppe der Reiter bröselte etwas auseinander und Jackomo wurde älter. Vorbei mit den tollen Herbst-Terminen.

XXL Ausritt mit der Wendy-Gang

Mit Bee sehe ich den Sport nicht so richtig auf meiner Seite. Sie ist einfach zu zappelig. Jackomo galoppiert wenn er galoppieren soll und geht Schritt wenn gerade Pause ist. Aber Bee zappelt für ihr Leben gern und in einer so großen Gruppe von Pferden, die vermutlich alle einen schnelleren Schritt gehen als die Kleine Biene, da wäre Getänzel und Gehampel vorprogrammiert. Außerdem fühlt man sich auf dem Zwergenpferd ja wie der Schweizer aus der Ricola-Werbung!

Die kleineren Vierbeiner der Jagd

Bei mir ist das wie Motorradfahren, das möchte ich jedes Frühjahr machen, wenn die Zweiräder aus ihrem Winterschlaf geholt werden. So denke ich jeden Herbst über die Schönen Ritte im Jagdfeld nach. Aber eigentlich dauert mir das auch zu lange. Man wird ja nicht jünger. Keine richtige Jagd ist nach 2 Stunden vorbei - und das ist in der Regel so der Zeitpunkt, nachdem mein Po anfängt zu rebellieren und keine Lust mehr hat im Sattel zu sitzen.

Ich sag immer, wenn ich mal alt bin dann geh ich wieder auf die Jagd. Der Altersdurchschnitt ist da ohnehin etwas höher, da falle ich mit 70 gar nicht auf. Die Queen macht das doch auch, oder?

Eines Tages, wenn Bee ein bisschen reifer ist, werde ich es ausprobieren. Die Jagdhornbläser, das Flair, die mühevoll und schön aufbereiteten Strecken... Wenn die Hunde ihre Belohnung beim Lagerfeuer bekommen und die Reiter nach dem Versorgen der Pferde noch das Tanzbein schwingen… zur „Kürzesten Jagd des Jahres“ hatte ich sie ja schon mit, im Schlosspark in Wiesbaden, zum Jagdschaubild bei der Pferdenacht. Ich sag mal so: Im Galopp geht es… Aber bevor ich mich wirklich in Plastron und Bluse wickel, muss ich herausfinden, ob Erwin eigentlich auch an Schleppjagden interessiert ist. Nicht, dass der tiefere Sinn des abschließenden „Halali Halali“ - bedeutet „da liegt er“ und gemeint ist der Fuchs - ein Halilimomo wird. ;-)

Das Jagd-Team Momo und Jackomo
 

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