Nadja Zolles: Gemeinsam Wege gehen

In ihrem Blog zeigt Nadja Zolles dir regelmäßig, wie du mit einfachen Übungen das Band zwischen dir und deinem Pferd stärken kannst. Dass es in der vertrauensvollen Zusammenarbeit nicht immer darum geht, um jeden Preis den Ton anzugeben, darüber liest du heute. Im Video kannst du dann sehen, wie eine Umsetzung gelingen kann.

Hallo Ihr Lieben,

heute möchte ich mal wieder einen Schwank aus meiner Freiarbeit berichten. Wie wichtig es ist, dass Mensch und Pferd gemeinsam einen Weg gehen und was es für mich bedeutet, gemeinsam zu gehen. Wenn ich mich heutzutage umschaue, gehen meistens die Pferde die Wege der Menschen mit - mal mehr, mal weniger. Was noch so ein bisschen von der Einstellung kommt: Ich bin der Chef und das Pferd hat zu tun was ich sage! Was immer bedeutet, dass einer oben steht und der andere unten. Sobald man wirklich zum Partner wird, steht für mich weder der eine noch der andere oben oder unten. Man ergänzt sich. D.h. ich als Partner sollte so gut werden, dass mein Pferd gerne bei mir ist und mich achtet.

Nadja Zolles lässt los

Als erstes schaue ich mal was eigentlich passiert, wenn ich mein Pferd in der Bahn los mache? Bleibt es bei mir? Geht es seine Wege? Folgt es mir? Oder bedrängt es mich und kommt ständig in meinen Bereich hinein, so dass ich nicht auf einem Fleck stehen bleiben kann? Sollte es in meinen Bereich rein kommen, ziehe ich klare Grenzen. Arm heben, Pferd aus meiner Zone schicken.


Der nächste Schritt ist, einmal die Wege des Pferdes mitzugehen. Ich lege die Hand auf den Widerrist und gehe ohne Ziehen oder Drücken seine Wege mit. Egal wohin, egal wie schnell. Zum Loslaufen nehme ich Energie auf, klopfe evtl. auf meinen Oberschenkel oder zeige nach hinten. Bitte nicht sofort hinten drauf touchieren, sonst könnte es auch gleich eine heftigere Reaktion geben. Diese Übung ist genial, da wir plötzlich merken, wie gerne wir alles kontrollieren möchten und es uns schon verrückt macht, wenn das Pferd am Boden rum schnüffelt oder vor sich hin latscht. Perfekt für unseren menschlichen Kontrollzwang und die Ungeduld, da ja alles schnell gehen muss und dann noch dieses Nichtstun. Man muss doch immer irgendwas tun, sonst ist es verschwendete Zeit. Leider sind all die Eigenschaften total fehl am Platz was Pferde angeht.

Ohne Worte sprechen

Wenn wir es geschafft haben völlig frei, ohne mulmige Gefühle nebenher zu laufen, können wir beginnen zu fragen, ob das Pferd nach innen oder außen folgt. Innen stelle ich mir vor ich habe einen Faden, der am Kopf befestigt ist, und ziehe daran, bis das Pferd mit seinem Kopf nachgibt. Ich nehme den Faden richtig zwischen Zeigefinger und Daumen und ziehe. Gibt es nach, öffne ich die Hand sofort.


Nach außen zeige ich mit meiner Hand Richtung Kopf und schicke den Kopf aus meiner Zone. Als würde ich durch den Hals durchlaufen. Sieht man im Video auch nochmal. Allerdings hatte ich da den Kopf weg, da mein Pferd mich extrem nach innen gepusht hat, um eine Grenze zu ziehen. Man fühlt einfach, geht das Pferd einfach nur einen Kreis und ich bin innen oder schmeißt er sich mit der Schulter auf mich?


Also nochmal zusammenfassend: Erst laufe ich mit dem Pferd seine Wege. Das kann Stunden, Tage oder Wochen dauern. Und eigentlich sollte man es immer mal wieder machen.
Dann schaue ich, ob ich das Pferd für kurze Momente zu mir abwenden lassen könnte oder nach außen wenden lassen kann. Beides ist wichtig. Und so entsteht daraus ein gemeinsamer Weg, welcher von beiden Seiten hart erarbeitet wurde, aber ohne Kampf und Druck entstanden ist. Beide sind einverstanden und es gäbe auch keinen Grund, nicht zusammen zu sein.


Ich wünsche Euch viel Spaß beim Üben. Und wenn der eine oder andere nur leicht umgedacht hat oder eine kleine Idee bekommen hat, bin ich happy.

Eure Nadja Zolles