Pferde in Paraguay - Reisebericht von Tierärztin Dr. med. vet. Elke Kurz

Nach Südamerika wollte ich schon lange einmal. Aber Paraguay? Da ich beruflich mit Pferden zu tun habe, wollte ich eigentlich im Urlaub etwas anderes erleben. Dennoch landete ich schließlich in einem Gestüt in Ciudad del Este.

Wenn man mit dem Flugzeug über Paraguay fliegt und tropische Urwälder erwartet, ist man zunächst enttäuscht: Vom Flugzeug aus sieht man endlose Sojafelder, unterbrochen von einigen mehr oder weniger großen Baumgruppen. Der Urwald ist in den letzten Jahren weitgehend gerodet und in Felder umgewandelt worden.
Von unten betrachtet sieht die Landschaft jedoch sehr grün und tropisch aus: Palmen, Bananenstauden, Bambus, Papageien, Kolibris an blühenden Sträuchern und Meerschweinchen, die am Straßenrand entlang huschen sind überall zu sehen.

Die Paraguayer sind hilfsbereit und gastfreundlich. Deutsche Hektik ist ihnen genauso fremd wie übermäßige Pünktlichkeit.

Pferde in Paraguay
Auch wenn Paraguay kein Pferdeland im eigentlichen Sinne ist, gibt es dort dennoch viele Pferde. Diese werden weniger als Arbeitstiere verwendet (vor dem Karren sieht man überwiegend Esel und die Feldarbeit wird entweder von Hand oder mit dem Traktor erledigt), sondern mehr als Transportmittel oder Prestigeobjekt.

Fast alle Pferderassen kommen in Paraguay mehr oder weniger häufig vor. Am häufigsten sieht man die so genannten Commun-Pferde, welche die dortige Landrasse darstellen. Es handelt sich um 1,35 bis 1,50 m große Tiere, die sich von ihrem Erscheinungsbild stark unterscheiden. Meist haben sie einen zierlichen Körperbau und einen eher groben Kopf. Es gibt auch viele Criollos aus Uruguay und Argentinien. Westernpferde werden in Paraguay immer beliebter, vor allem Quarterhorses, aber auch Appaloosas.
Ferner gibt es verschiedene Vollblutzüchter, meist handelt es sich dabei um Europäer, die Englische Vollblüter oder Vollblutaraber züchten. Europäische Pferderassen und deutsche Warmblüter sieht man dagegen nur selten.

Was Reitstile angeht, ist man in Paraguay tolerant und es gibt hier keinerlei Berührungsängste. Es gibt dort Turniere, bei denen Springen, Westernreiten und die Paraguaysche Reitweise am selben Tag hintereinander gezeigt werden. Einige Reiter nehmen dabei mit dem gleichen Pferd an allen 3 Disziplinen teil.

Sehr beliebt sind Pferderennen, die jedoch in einem ganz anderen Rahmen ablaufen als in Deutschland. Hierbei laufen jeweils 2 Pferde gegeneinander auf privaten, selbstgebauten Rennstrecken. Die Pferde werden dabei häufig gedopt. Das machen viele Pferdebesitzer und es ist auch nicht verboten. Die dabei verwendeten Medikamente sind in Agro- Shops, die von Tierärzten geführt werden, frei verkäuflich. Auch Medikamente, wie z.B. Anabolika, sind dort legal erhältlich. Es gibt sogar spezielle Medikamentensets, die zur "medikamentösen Vorbereitung von Pferden für Rennen" verkauft werden.

Da viele Pferdebesitzer von Tiermedizin keine Ahnung haben und auch den Beipackzettel nicht richtig durchlesen, kommt es häufiger zu Zwischenfällen.
Während das Doping offiziell erlaubt ist, ist es verboten, während des Rennens die Zeit zu messen. Trotzdem wird es heimlich getan. Die Pferderennen werden durchgeführt, damit Pferdebesitzer und Zuschauer die Möglichkeit zum Wetten haben. Dabei wird oft um Summen gewettet, die für den Wettenden einen Monatslohn oder mehr darstellen.
Für die Rennen werden Pferde aller Rassen und Altersstufen eingesetzt. Manche Pferde sind erst 15 Monate alt, sie werden von Kindern geritten, da hier Reitergewichte von 30 Kilo ausgemacht werden, die für Erwachsene unerreichbar sind. Viele dieser zu früh eingesetzten Pferde werden nicht sehr alt, da sie aus dem frühen Renneinsatz irreparable Sehnen und Gelenkdeformationen zurückbehalten.

Sortijas sind Veranstaltungen der regionalen Reitclubs, die an fast jedem Wochenende stattfinden. Die Teilnehmer stellen ihre Pferde im Schritt und vor allem im Galopp vor. Getrabt wird dabei höchstens aus Versehen. Es werden aus dem vollen Galopp heraus Volten, Achten und andere enge Wendungen geritten, sowie verschiedene Kunststücke wie Kompliment oder Steigen unter dem Reiter gezeigt. Bei den Sortijas gibt es keine Gewinner, alle Reiter stellen ihre Pferde vor und erhalten dafür ein Halstuch mit Aufdruck.
Reiter und Pferd sind schön herausgebracht. Die verwendeten Zaumzeuge und Vorderzeuge sind reichlich mit Silberbeschlägen geschmückt. Die Gebisse sind meist abenteuerlich und nur selten pferdefreundlich. Es wird eine Art Hirtensattel verwendet, der mit mehreren Schaffellen bedeckt wird.
Bei den Sortijas werden, abhängig vom Geldbeutel des Besitzers, repräsentativ aussehende Pferde verwendet. Quarterhorses werden allgemein bevorzugt.
Pferde sind in Paraguay für deutsche Verhältnisse unglaublich günstig, gemessen an den dortigen Durchschnittslöhnen sind sie für die Einheimischen aber dennoch teuer.
Bei den Sortijas werden fast ausschließlich Hengste verwendet, nach dem Motto "richtige Männer reiten Hengste". Stuten sind ungern gesehen, kastriert wird fast gar nicht. Die Hengste zeigen untereinander fast kein Hengstverhalten.

Springreiten findet zwar zunehmend mehr Anhänger, das Niveau ist jedoch gegenüber Europa geringer. Ein Pferd, das einen A- Parcours überwinden kann, ist für dortige Verhältnisse ziemlich gut.
Reitschulen, wie man sie in Europa kennt, findet man auch in den großen Städten nur selten.
Dressurreiten ist in Paraguay eher unpopulär.

Westernreiten dagegen findet eine gute Resonanz, da es für die dortigen Reiter eine repräsentative Reitweise darstellt. Auch außerhalb des Reitsports wird vieles aus den USA übernommen.

Der Umgang mit dem Pferd ist meist weniger pferdefreundlich als in Deutschland. Natürlich gibt es auch positive Ausnahmen, aber oft wird nicht über die Bedürfnisse der Pferde nachgedacht.
Andererseits muss man bedenken, dass Paraguay ein Entwicklungsland mit einem geringen Durchschnittseinkommen und Bildungsniveau ist und die Menschen dort andere Sorgen haben als Tierschutz.

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