Pferdefütterung - hier sind die Tipps der Experten!

In Sachen Pferdefütterung gibt es nicht den einen korrekten Weg – ein Glück, denn so kannst du ganz individuell auf die Bedürfnisse deines Tieres eingehen. Die Auswahl an Futtermittel für alte, junge, geforderte, geschonte, gesunde und kranke Pferde ist groß. Kein Wunder, dass auch die Unsicherheit darüber wächst, was das Beste für den eigenen Vierbeiner ist. Du hattest deshalb die Möglichkeit, den Experten von marstall Premium-Pferdefutter deine Fragen rund um das Thema Pferdefütterung zu stellen. Hier sind alle Antworten und weitere tolle Tipps!

Pferdefütterung gestaltet sich individuell

pferde.de: Das Angebot spezieller Futtermittel für jedes Bedürfnis wächst. Da kommt auch beim Freizeitreiter mit einem mittelalten, gesunden und freizeitmäßig beanspruchten Pferd irgendwann die Frage auf: Mache ich eigentlich alles richtig? So fragte Chrisi auf Facebook: „Habe eine 7-jährige Huzulenstute, die freizeitlich im Gelände geritten wird. Sie bekommt Heu, Mineralfutter (marstall Force) und derzeit das marstall Vito. Abends in die Box 1/4 l Hafer. Soll ich was ändern oder passt das so? Sie hatte bis jetzt keinerlei Probleme“ und steht damit stellvertretend für alle, die nicht so recht wissen, woran sie eigentlich erkennen, ob die Wahl des Futters für ihr Pferd die richtige ist. Gibt es da Indikatoren, auf die man achten kann?

marstall: So wie Chrisi geht es sicherlich vielen Pferdebesitzern. Grundsätzlich gilt, wenn das Pferd fit ist, genügend Energie hat, das Fell glänzt und die Rippen tastbar aber nicht sichtbar sind, ist auch meist die Fütterung in Ordnung. Natürlich kann man oft noch etwas optimieren, wenn es aber auch so gut funktioniert, muss das nicht unbedingt sein. Als Beispiel, was Chrisi ändern könnte, aber so wie sie es beschreibt, nicht müsste: ¼ l Hafer sind nur etwa 100 bis 150 Gramm. Er spielt daher als Energielieferant in der Ration fast keine Rolle. Daher bin ich mir sicher, dass die Huzulenstute ihn eigentlich nicht bräuchte. marstall Vito ist ein getreidefreies Müsli mit einem mittleren Energiegehalt. Wenn Chrisi auch vom Vito nur eine sehr geringe Menge füttert, wäre es vielleicht sogar günstiger, auf Faser-Light umzusteigen. Warum? Marstall Faser-Light ist ein getreidefreies Müsli mit weniger Energie aber noch konzentrierterer Mineralisierung. In ausreichende Menge gefüttert, könnte Chrisi sich das Mineralfutter Force sparen ohne ihrem Pferd mehr Energie zu füttern. Chrissi könnte also, müsste aber nicht wechseln. Was man an dem Beispiel auf alle Fälle gut sieht: Für eine gute Futterberatung muss man neben dem Futter und evt. Problemen des Pferdes auch die Mengen genau kennen.

pferde.de: Ein träger Stoffwechsel, Verletzungen, die die Bewegung einschränken … schnell nimmt der Vierbeiner dann zu. Dennoch möchte man ja das Pferd nicht gleich rigide auf eine Diät setzen und womöglich auch an notwendigen Nährstoffen sparen. Welche Möglichkeiten bestehen denn, leichtfuttrige Vierbeiner rundum zu versorgen?

marstall: Gerade bei Pferden in Rekonvaleszenz oder Pferden die abnehmen müssen, ist es besonders wichtig bei aller Reduktion auf eine ausreichende Versorgung mit Raufutter (1,5/100 kg/LM), Mineralien und auch mit Aminosäuren zu achten. Nehmen wir z. B. mal das dicke Pferd das abspecken muss. Hier ist es wichtig, dass wir zwar weniger Energie zuführen, aber dennoch die Muskulatur optimal unterstützen. Denn das Pferd soll ja Speck und nicht Muskelmasse abbauen. Dabei helfen uns Aminosäuren, die kleinsten Bestandteile der Proteine, die in Reinform gegeben, besonders gut vom Pferd verwertet werden können. Aminosäuren in Reinform liefert z. B. das marstall Amino-Muskel Plus. Aber auch die entsprechende Versorgung mit Mineralien und Vitaminen ist hier ganz wichtig. Hat ein moppeliges Pferd zusätzlich noch einen trägen Stoffwechsel oder sogar eine Stoffwechselerkrankung wie EMS, Cushing oder PSSM, sollten nicht nur Kalorien gezählt, sondern auch auf Getreide und Melasse im Futter möglichst komplett verzichtet werden. Das tut natürlich auch den Pferden die „nur“ abspecken müssen gut.

pferde.de: Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen – und leicht auf die Rippen. Ira wollte daher wissen, wie man dem Pferd auch zwischendurch etwas Gutes tun kann, ohne dass es langsam dick wird?

marstall: Da gilt natürlich ganz klar: Weniger ist mehr. Wichtig ist gerade bei prädisponierten Pferden, die Ration grundsätzlich im Blick zu behalten. Möchte man seinem Pferd dann etwas Gutes tun, kann man zum Beispiel zu einem getreide- und melassefreien Müsli mit wenig Energie greifen. Diese Müsli sind häufig auch sehr hochwertig mineralisiert, so dass schon geringe Mengen den Tagesbedarf an Vitaminen und Mineralien decken. Möchte man gerne Äpfel, Karotten oder Leckerli zwischendurch füttern, sollte man auch hier den Zuckergehalt und die Kalorien im Blick behalten. Bei den Leckerli gibt es übrigens auch getreidefreie und zuckerarme Produkte, wie das marstall Bonus-Light. Diese haben weniger Kalorien. Bei normalfuttrigen Pferden darf es in Maßen aber natürlich auch das normale Leckerli sein, dass es unzähligen Geschmacksrichtungen gibt. Es kommt eben immer auf die Menge an.

pferde.de: „Schön wär’s!“, mögen sich viele Pferdebesitzer jetzt gedacht haben. Sie haben ein schwerfuttriges Pferd im Stall stehen. So z.B. Carina. Sie fragte: „Wie füttere ich mein Pferd, das eher zu dünn wird, aber gleichzeitig sehr viel Energie hat?“. Auf Instagram erhielten wir passend dazu die Frage, wie es sich mit Sojaschrot zum Auffüttern verhält.

marstall: Diese Frage beschäftigt mit Sicherheit viele. Zunächst schauen wir uns bei einer Beratung immer ganz genau die bisherige Ration und die Leistung an. Häufig stellen wir dann bei dünnen Pferden fest, dass fast ausschließlich Heu – und dass in knapper Menge – und nur „Joghurtbechermengen“ an Kraftfutter gegeben werden. Das ist gerade für schwerfuttrige Pferde meist zu wenig. Ein weiterer Punkt ist jedoch auch hier die Proteinzufuhr. Das typische Pferdeheu ist sehr spät geschnitten und dadurch stark verholzt. Die Proteine sind deshalb fest in den Zellwänden verbaut und können vom Pferd nicht bis zum Ende des Dünndarms verdaut werden. Dadurch sind sie nicht fürs Pferd nutzbar. Geben wir diesen Pferden zusätzlich hochwertiges Protein, können wir sie im Muskelaufbau unterstützen, wodurch sie deutlich runder werden. Natürlich kann hier auch statt den Aminosäuren in Reinform (marstall Amino-Muskel Plus), das zu 100% verwertet werden kann, Sojaschrot als Proteinträger genutzt werden. Bei Sojaschrot habe ich nur eine kleine Einschränkung: Ich kann nicht sicher sagen, welche Proteinmenge bis zum Ende des verwertet werden kann und welche Aminosäuren der Sojaschrot genau liefert.

pferde.de: Zusätze, Zucker, Allergien … Da kommt einem irgendwann der Gedanke, möglichst natürlich zu füttern. „Ich höre immer häufiger, dass Pferdebesitzer reinen Hafer füttern - so wie „früher“. Ist es sinnvoll, nur einzelne Kraftfutterbestandteile separat zu füttern oder sollte man immer einen Mix geben?“, möchte daher Susanne wissen.

marstall: Das kann man nicht pauschal beantworten. Natürlich ist es möglich nur Heu und Hafer als Energielieferant zu geben und dann mit Mineralfutter, wie dem getreidefreien marstall Force, die nötigen Vitamine und Spurenelemente zuzuführen. Nehmen wir aber beispielsweise einmal das Sportpferd. Ihm fehlt in so einer Ration häufig das Protein, um eine ausreichende Versorgung der beanspruchten Muskulatur sicher zu stellen. Nimmt man dann z. B. Sojaschrot als hochwertigen Proteinlieferanten, muss man den Bedarf des Pferdes genau kennen, um einer Überversorgung entgegenzuwirken. Denn gibt man zu viel, muss der nicht verwertbare Proteinanteil über Leber und Niere ausgeschieden werden. Das wiederum belastet den Stoffwechsel. Anders ist es, wenn das Pferd zusätzlich Probleme mit dem Magen hat. Dann ist von hohen Stärkemengen, wie ich sie über den reinen Hafer füttern würde, abzuraten. Hier wäre es besser eine Faser-Fett reiche Ration angebracht. Diese kann man sich aus vielen Einzelkomponenten selbst zusammenstellen. Oder man greift auf Faser-Fett Müsli zurück wie marstall Vito oder Amino-Sport Müsli. Sie besitzen meist auch noch mehr nutritive Eigenschaften wie z. B. Ballaststoffe aus der Zichorienpülpe, die unser Faser-Light enthält. Diese natürlichen Einzelkomponenten sind in kleinen Mengen nur schwer erwerbbar und für den Laien in der Dosierung sicherlich nicht ganz einfach. Müsli sind daher oft eine gute Alternative, um ein in sich sehr gut abgestimmtes Produkt zu haben, bei dem man durch die Fütterungsempfehlung auch genau weiß, welche Mengen für das Pferd passen.

pferde.de: Dass die Fütterung direkte Auswirkungen auf die Gesundheit des Pferdes hat, liegt auf der Hand. Eine ganz konkrete Frage hierzu stellte uns Nina: „Immer wieder lese ich von Bierhefe im Pferdefutter. Jetzt habe ich allerdings im Stall gehört, dass diese Hufrehe fördern soll und bin verunsichert. Kann man Bierhefe unbesorgt füttern und wozu dient es überhaupt?“

marstall: Derzeit geht die Wissenschaft davon aus, dass neben Überlastung und Medikamenten in den meisten Fällen Toxine, also Gifte, dazu führen, dass der Hufbeinaufhängeapparat nicht mehr hält. Die Toxine entstehen durch einen zu hohen Anteil an Energieträgern im Futter, die vom Körper schnell in Säure, Gase und Alkohol umgewandelt werden. Das sind z. B. Fruktane oder Stärke. Bei diesem Umbauprozess senkt sich der pH-Wert im Dickdarm. Hinzu kommt, dass die Schleimhaut des Dickdarms flüchtige Fettsäuren sowieso nur bis zu einer bestimmten Menge aufnehmen kann. Alle anderen senken den pH-Wert noch weiter ab. Das schädigt die Schleimhaut, die dadurch noch weniger Fettsäuren aufnehmen kann. Ein Teufelskreis entsteht. Durch das nun saure Darmmillieu sterben nützliche Darmbakterien ab. Das wiederum setzt Toxine, also Gifte, frei, die über die geschädigte Darmschleimhaut schnell in den Blutkreislauf gelangen. Hufrehe werden dann, so die aktuelle Erkenntnis, dadurch ausgelöst, dass diese Gifte die Gefäße verengen, was bei den äußerst kleinen Gefäßen im Huf fatal ist. Da Bierhefe kein fermentierbarer Energielieferant ist, sondern eigentlich positive Eigenschaften für Magen und Darm besitzt, hat Bierhefe mit Hufrehen nicht wirklich etwas zu tun.

Sophia Riegger - marstall Futterexpertin

Vielen Dank an Sophia Riegger (M.Sc.). Die marstall Produktmanagerin mit abgeschlossenem Masterstudium der Pferdewissenschaften (Universität Göttingen) ist eure Fütterungsexpertin in diesem Interview. Sie hatte auf jede eurer Fragen eine verlässliche Antwort und zusätzlich immer noch einen Extratipp auf Lager.