Reiten ohne Sattel – Vorteile, Nachteile und Alternativen

Ohne Sattel auf dem Pferderücken sitzen und im Galopp eins sein mit dem Pferd – für viele Reiter ist das der Inbegriff des Freiheitsgefühls. Andere hingegen stehen dem sattellosen Reiten kritisch gegenüber. Zu hoch sei die Belastung für das Tier. Du bist unentschlossen? Wir zeigen dir die Vor- und Nachteile des Reitens ohne Sattel und erklären, welche Alternativen dir zur Verfügung stehen.

Ohne Sattel ganz nah am Pferd

Das Reiten ohne Sattel übt eine gewisse Faszination auf viele Pferdefreunde aus. Einfach hinaufspringen auf den warmen Pferderücken und los geht’s. Andere Reiter hingegen fürchten sich regelrecht vor dem Ritt ohne Sattel. Zu unsicher scheint der Sitz, zu holprig die Gangarten. Es gibt eine ganze Reihe von Argumenten, die dafür und dagegen sprechen und deshalb ist es wichtig, dass du dich und dein Pferd kritisch unter die Lupe nimmst.

Reiten ohne Sattel – so lieber nicht!

Absolute Grundvoraussetzung für das Reiten ohne Sattel ist ein gesunder und kräftiger Pferderücken. Grund hierfür ist, dass das Gewicht des Reiters durch den Sattel großflächiger auf dem Pferderücken verteilt wird. Fällt dieser Puffer zwischen Mensch und Tier weg, ist der Druck des Reitergewichts komprimiert auf einzelne Punkte des Pferderückens.

Diese Belastung muss das Pferd ausgleichen können. Fehlt die Muskulatur, besteht bereits ein Senkrücken oder leidet der Vierbeiner an anderen Einschränkungen rund um die Wirbelsäule, dann ist vom sattellosen Reiten grundsätzlich abzuraten, denn Rückenleiden könnten entstehen oder verstärkt werden.

Doch nicht nur das Pferd muss einige Grundvoraussetzungen erfüllen. Auch der Reiter sollte einen guten und sicheren Sitz mitbringen, um den Pferderücken nicht zu belasten und die Freude des Reitens ohne Sattel genießen zu können.

Reitanfänger aus Gründen der Sitzschulung auf den blanken Pferderücken zu setzen, ist also in der Regel keine gute Idee. Fehlende Balance und ein unsicherer und verkrampfter Sitz lassen auch das Pferd verspannen und sorgen für eine Belastung durch „Hopser“ auf dem Rücken des Tieres. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass die Zügel zum Festhalten genutzt werden und so auch das Pferdemaul übermäßig beansprucht wird.

Ebenso spielt das Gewicht des Reiters eine Rolle. Je schwerer du bist, desto höher ist die punktuelle Belastung für dein Pferd – unabhängig davon, wie kräftig dieses generell ist. Genauso wichtig ist es, auf die Uhr zu schauen. Denn natürlich bedeuten häufigere und längere Ritte ohne Sattel eine höhere Anstrengung. Daher sollte das Reiten ohne Sattel als Abwechslung dienen, nicht aber zur Dauerlösung werden.

Vom Traum zum Traumritt

Ein voller Erfolg kann das Reiten ohne Sattel aber zweifelsohne werden, wenn du ein paar Dinge beachtest. Hier geht es bereits beim Aufsteigen los. Mit einer Aufstiegshilfe tust du dir und dem Pferd einen großen Gefallen. Kein Zerren an der Mähne, keine versehentlichen schwungvollen Tritte in den Bauch des Tieres.

Wie bereits erläutert, solltest du bereits eine gewisse Erfahrung und Sicherheit im Reiten mitbringen und einen ausbalancierten und tiefen Sitz haben. Dann wirst du recht schnell feststellen, wie sich Haltung und Sitz durch das sattellose Reiten noch einmal verbessern. Denn ohne die ausgleichende Wirkung des Sattels, der kleine Fehler und Unachtsamkeiten ausgleichen kann, bist du gezwungen, das Bein lang, die Bauchmuskulatur angespannt und die Balance den natürlichen Bewegungen des Pferdes angepasst zu halten – sonst rutschst du vielleicht früher als dir lieb ist in Richtung Boden. Klingt erst einmal anstrengend, doch in kürzester Zeit werden sich dir tolle Erfolge zeigen. Dein Sitz wird tiefer und sicherer und du wirst auf völlig neue Art und Weise in Kommunikation zu deinem Pferd treten. Gerade Gewichtshilfen erreichen das Tier viel direkter.

Das ist es, wovon Fans des Reitens ohne Sattel schwärmen: Es liegt nichts mehr zwischen dir und deinem Pferd. Du spürst die Bewegungen der Muskeln, die Wärme des Pferdekörpers. Jetzt heißt es, sich und dem Vierbeiner vertrauen und noch enger zusammenarbeiten. Das mag vielleicht nicht gleich zu Beginn immer problemlos funktionieren – doch gib nicht auf! Mit ein wenig Geduld und Training zeigt sich auch dir schon bald eine völlig neue Art des gemeinsamen Reitens.

Das Reitpad als schonende Alternative

Die Diskussion rund um das Reiten ohne Sattel ist nicht ganz neu und so haben findige Köpfe Lösungen entwickelt, die das Pferd schonen, dennoch aber die einmalige Verbindung von Mensch und Tier beim sattellosen Reiten ermöglichen.

Sattelkissen oder Sattelpads sorgen automatisch für mehr Halt auf dem Pferderücken und schonen diesen durch eine breitere Verteilung des Gewichts. Klarer Vorteil für den Reiter: eine bessere Balance und ein sicherer Sitz, ohne dass die Nähe zum Pferd verloren geht. Doch auch hier ist nicht alles Gold, das glänzt. Um punktuelle Belastungen zu vermeiden, solltest du darauf achten, dass die Gurtung nicht nur Druck auf einzelne Bereiche des Kissens ausübt. Dies ist z.B. durch eine V-Gurtung möglich.

Auch empfiehlt es sich, von Steigbügeln abzusehen. Viele Hersteller bieten diese an, doch können sie die schützende Funktion des Sattelkissens zunichtemachen, indem einzelne Druckpunkte durch das Gewicht des Reiters in den Steigbügeln entstehen. Dies ist ein wenig mit einem sehr schweren Rucksack mit dünnen Trägern zu vergleichen. Keine angenehme Vorstellung, diesen über lange Strecken zu tragen, oder?

Filzsattel und Lammfellsattel – gut geschützt und doch ganz nah am Pferd

Der Filzsattel Modell Skuggi

Ohne Sattel mit Sattel reiten – klingt paradox? Ist aber ganz einfach mit baumlosen Sätteln in natürlichen Materialien, wie z.B. dem Filzsattel oder einem Lammfellsattel. Ausschlaggebend für die Entstehung des Filzsattels war der Wunsch der Entwicklerin Isabel Steiner, die Verbindung zwischen Pferd und Mensch nicht einzuschränken, den Pferderücken allerdings vor den Sitzbeinhöckern des Reiters zu schützen. Der Filzsattel soll genau jene Nachteile minimieren, die ein völlig sattelloses Reiten mit sich führt, und ist so konstruiert, dass die Wirbelsäule des Tieres frei bleibt. Punktueller Druck durch das Reitergewicht auf einzelne Wirbel wird vermieden.

Der Filzsattel ist durch verschiedene Schichten aus Filz, Schaum und Polstern einem Sattel in der Konstruktion wesentlich näher, als es zum Beispiel ein Sattelkissen ist. Dennoch verspricht der Hersteller, dass die Verbindung zwischen Mensch und Tier bestehen bleibt, was ein wesentlich sensibleres Reiten ermöglichen soll. Gewichtshilfen erreichen das Pferd leichter. Auch die Möglichkeiten des verbesserten Sitzes des Reiters bleiben erhalten, jedoch bietet die breitere Sitzfläche mehr Halt und Sicherheit auf dem Pferderücken. Für den Oberschenkelmuskel wird die Polsterung anatomisch geformt, so dass dieser in den Sattel einsinken kann und der Sitz auch auf breiten Pferden schön schmal bleibt und der Reiter nicht in den Stuhlsitz rutscht. Wie auch beim Sattelpad sollte die Nutzung des Filzsattels ohne Steigbügel erfolgen, um dem Entstehen einzelner Druckpunkte entgegenzuwirken. Besonders praktisch: Durch die Produktion direkt bei der Entwicklerin sind Sonderanfertigungen oder Sonderausstattung beim eigenen Sattel problemlos möglich.

Genau wie Filz, ist auch Lammfell ein leicht zu reinigendes Naturprodukt. Lammfellsättel sind ebenso eine gute Wahl für alle, die eine flauschige Alternative zum Ritt ohne Sattel suchen, ohne auf den Schutz des Pferderückens und einen bequemeren Sitz verzichten zu wollen. So kann ein Fellsattel auch um Pauschen ergänzt sein, sodass du auch ohne Steigbügel einen besseren Halt hast. Zusätzlich ist Lammfell, ebenso wie Filz, antibakteriell und pflegeleicht – trocknen lassen, ausbürsten und schon kann es wieder losgehen.

Du bist neugierig und hast Lust, den Filzsattel einmal auszuprobieren? Kein Problem! Hier kannst du ganz leicht per Bestellformular einen Testsattel für 10,- EUR/Woche (zzgl. Versand) anfordern.