Stress beim Füttern? Nein danke!

Wenngleich Freizeitpferde bei der Nahrungsaufnahme in der Regel von äußeren Bedrohungen, wie sie in freier Natur lauern, geschützt sind, kann die tägliche Fütterung dennoch Auslöser für dauerhaften Stress sein. Wie beim Menschen, ist dieser auch für das Pferd ungesund. Wir zeigen dir, wo Stressquellen lauern und wie diese zum Wohl des Tieres minimiert werden können.

Ein Großteil des Tages ist beim Pferd für die Nahrungsaufnahme vorgesehen. In der Natur sind Pferde immer etwas in Bewegung und nehmen dabei immer wieder Futter zu sich. Darauf ist auch der Körper des Tieres eingestellt. Der relativ kleine Magen erwartet stetig kleine Futtermengen.

So spielt die Nahrungsaufnahme eine große Rolle im „Pferdealltag“. Es ist nur logisch, dass sie dementsprechend auch viel Potenzial für Stress birgt. Dieser löst im Pferdekörper eine Reihe von Reaktionen aus, die du auch bei dir selbst sicher schon festgestellt hast: Der Herzschlag erhöht sich durch das ausgeschüttete Adrenalin, es kommt zu einem erhöhten Blutdruck und der Ausschüttung von Cortisol. Hierbei handelt es sich um völlig normale Reaktionen, die dem Pferd die Möglichkeit geben, in einer Notfallsituation sofort reagieren zu können. Im Normalfall regulieren sich diese Reaktionen des Körpers wieder herunter, sobald die Stresssituation vorbei ist.

Doch gerade in der Pferdefütterung kann es relativ leicht zu dauerhaften Stresssituationen kommen. Ein Pferd kann darauf recht unterschiedlich reagieren. Mancher Vierbeiner stumpft ab und zeigt sich teilnahmslos, andere neigen zu Konzentrationsschwäche oder reagieren panisch mit Steigen, Durchgehen und Buckeln. Oft werden dann bei der Ursachenforschung falsche Schlüsse auf die Auslöser gezogen.

Stress beim Füttern – das können Auslöser sein

Die Auslöser für Stress bei der Pferdefütterung unterscheiden sich häufig je nach Haltungsart. Bei der klassischen Boxenhaltung spielt Futterneid eine nicht zu unterschätzende Rolle. Oftmals wird bei der Fütterung die natürliche Rangordnung der Tiere untereinander nicht eingehalten, was zu Stressverhalten führt. Auch sind lange Fütterungspausen ein Problem. Statt ständiger Nahrungsaufnahme entstehen große Pausen, in denen den Pferden kein Futter zur Verfügung steht. Dies löst nicht nur Stress und Langeweile aus, sondern ist auch ungesund für den Pferdekörper. Zu den Fütterungszeiten kommen dann größere Mengen Kraftfutter zum Einsatz, die aber relativ schnell aufgenommen und weniger gekaut werden, als Raufutter. Die körperlichen Folgen, wie beispielsweise Magengeschwüre, sind dann wieder Auslöser für Stress durch Schmerzen und Unwohlsein.

Auch in der Offenstallhaltung kann Futterstress nicht ausgeschlossen werden. Grund hier ist häufig die Rangordnung innerhalb der Herde bei geringer Größe des Platzes. Bei Fütterung von Raufutter, wie Heu, frisst dann ein ranghohes Tier einen Großteil des zur Verfügung stehenden Futters, während alte oder rangniedrigere Pferde nicht zum Zug kommen.

So kann Stress in der Pferdefütterung minimiert werden

Um die körperliche und seelische Gesundheit eines Pferdes zu erhalten, ist es notwendig, dauerhaften Stress in der Pferdefütterung zu vermeiden.

Bei hauptsächlicher Boxenhaltung kann es hilfreich sein, die natürliche Rangordnung der Tiere auch bei der Futterausgabe einzuhalten. Dies entspannt die Pferde, da sie wissen, dass ein jedes sein Futter erhalten wird und keiner seinen Rang verteidigen muss. Zusätzlich sollten die Fütterungszeiten eingehalten werden. Pferde gewöhnen sich recht schnell an diese und empfinden Stress, wenn das Futter nicht pünktlich kommt.

Um Langeweile und Gesundheitsschäden vorzubeugen, ist es sinnvoll, stets kleinere Mengen an Raufutter zur Verfügung zu stellen. Besondere Vorrichtungen, wie z.B. das HeuToy, sorgen dafür, dass die Tiere lange mit der Aufnahme des Heus beschäftigt sind und ausgiebig kauen. Die Gabe von Kraftfutter sollte ebenfalls mehrmals täglich in kleineren Mengen erfolgen.

Im Offen- oder Aktivstall kann man ebenfalls mit wenigen Tricks für weniger Stress in der Fütterung sorgen. Hier ist es wichtig, dass genügend Platz vorhanden ist, um allen Tieren die Möglichkeit zu geben, gleichzeitig zu fressen. Bewährt haben sich hier oft Rundraufen oder eine Vielzahl von Heunetzen. Bei der losen Raufuttergabe auf dem Boden ist es hilfreich, stets einen Haufen Heu mehr also die Gesamtzahl der Pferde zu verteilen. So werden auch lange Fresspausen vermieden und eine Bewegung der Tiere ist gewährleistet.

Auch elektronische Fütterungsanlagen können dafür sorgen, dass Stress reduziert wird. Hier kann zentral gesteuert werden, welches Tier wieviel Futter erhält. Ein Überfressen wird ebenso vermieden, wie Defizite in der Nahrungsaufnahme durch die Rangordnung.